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Felix Mendelssohn Bartholdy. Schweizer Skizzenbuch

von
Reichert, L,
Buch
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Kurzbeschreibung

Felix Mendelssohn Bartholdy reiste im Jahr 1842 mit seiner Familie anlässlich eines Musikfestes in die Schweiz. Als eine Art Tagebuch führt er ein Zeichenbuch, in dem er mit Bleistift Landschaften und Ortsansichten festhielt. Jede der 21 Zeichnungen ist datiert und kommentiert. Das Album beginnt mit einer Ansicht aus Frankfurt am Main, von wo aus die kleine Reisegruppe aufbrach. Die Reise führte über Lausanne, Chamonix und Martigny ins Rhônetal, anschließend nach Interlaken und Zürich. Zu den Zeichnungen gehören neben voll ausgeführten Ansichten auch Skizzen. Sie zählen zu seinen schönsten Arbeiten.

Details
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Autor
Hauptbeschreibung

Titel: Felix Mendelssohn Bartholdy. Schweizer Skizzenbuch
Autoren/Herausgeber: Hans-Günter Klein (Hrsg.)

ISBN/EAN: 9783895004834

Seitenzahl: 54
Format: 20,5 x 26,5 cm
Produktform: Hardcover/Gebunden
Gewicht: 520 g
Sprache: Deutsch

Hans-Günter Klein ist Musikwissenschaftler. Bis 2003 tätig in der Musikabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin und seit 1988 auch als Leiter des Mendelssohn-Archivs. Seit 1993 Mit-Herausgeber der „Mendelssohn-Studien“. Publikationen: Mehrere Bestands- und Ausstellungskataloge für die Staatsbibliothek (u.a. „Das verborgene Band“, „Die Mendelssohns in Italien“) und Veröffentlichungen über die Familie Mendelssohn, Felix Mendelssohn Bartholdy und Fanny Hensel.

Im Jahre 1842 hatte Felix Mendelssohn Bartholdy wieder die Absicht, in die Alpen zu fahren - diesmal mit seiner Frau Cécile, die das Schweizer Land nicht kannte. Als dann eine Einladung der Schweizerischen Musikgesellschaft eintraf, am Musikfest in Lausanne teilzunehmen, wo man seinen „Lobgesang“, op. 52, in seiner Gegenwart aufführen wollte, gewann die Reiseplanung deutlichere Konturen. Es war auch verabredet worden, dass der Bruder Paul mit seiner Frau Albertine auf die Reise mitkommen sollte. Felix Mendelssohn war mit seiner Frau am 16. Juli 1842 aus England nach Frankfurt in das Haus seiner Schwiegermutter zurückgekommen und unternahm nun oft am frühen Morgen, bevor die anderen aufstanden, eine Wanderung in den Süden der Stadt, wo er dann auch schon zum Zeichenstift griff. Ende Juli trafen dann Paul und Albertine am Main ein und bald darauf brach die Reisegruppe auf; Felix’ und Céciles kleine Kinder blieben bei den Verwandten in Frankfurt.In Basel verzögerte sich wegen einer Unpässlichkeit Cécile Mendelssohns die Weiterreise und damit auch die Ankunft in Lausanne. Sie hatten eine Reiseroute gewählt, die von hier aus über Delémont durch das Tal der Birs (mit Halt im Dorfe Court am 2. August) nach Biel führte (am 3.8.); am 4.8. trafen sie am Genfer See ein, einen Tag nach der Aufführung des „Lobgesang“. Am 5. und 6. August hielten sie sich in Ouchy auf und nahmen am 6. auch an einer Dampferfahrt auf dem See teil, mit der das Musikfest abgeschlossen wurde. Der darauffolgende Tag war der letzte in Lausanne, Mendelssohn zeichnete eine seiner schönsten Ansichten in sein Skizzenbuch, die Kathedrale der Stadt.Über Genf fuhr man in das Tal der Arve und gelangte nach einem Halt in Bonneville nach Chamonix, wo man sich für einige Tage einmietete. Durch die Dala-Schlucht erreichten sie Leukerbad, und von hier aus stiegen sie zum Gemmi-Pass und zum Daubensee hinauf. In welchen Tagesetappen dann die Gruppe über Kandersteg und Spiez nach Interlaken kam, ist nicht bekannt. Von Interlaken aus unternahmen die Mendelssohns dann Ausflüge ins Berner Oberland, am 21.8. nach Wengen, am 22./23.8. auf das Faulhorn, den Berg mit einem viel gepriesenen Panorama, den man auch relativ leicht erreichen und auf dem man auch übernachten konnte. Am 2.9. erreichten sie schließlich Zürich, von wo aus sie nach Frankfurt zurückkehrten.Mendelssohn hat während der Reise kein Tagebuch geführt und seiner Familie in Berlin auch nicht so ausführliche Berichte geschickt, wie er es 1831 getan hatte. An seine Mutter schreibt er: „Schweizer Beschreibungen sind ja gar nicht zu machen, und statt eines Tagebuchs, wie das vorigemal, zeichne ich diesmal ganz wüthig darauf los, und sitze Tagelang vor einem Berge, und suche ihn nachzumachen, (bis das Bild verdorben ist, eher lasse ich nicht ab) und muß täglich wenigstens eine Landschaft im Buch haben“ (18.8.1842). Mendelssohn hat mindestens zwei Zeichenbücher während der Reise benutzt, das hier faksimilierte, das heute in Berlin liegt, und ein weiteres, das in Oxford aufbewahrt wird und mit Court am 2.8. beginnt und mit Stans am 30.8. endet. Ob er noch ein drittes, heute verschollenes Skizzenheft geführt hat, ist nicht sicher. Die Bezeichnung der einzelnen Blätter mit Ort und Datum ihrer Entstehung lässt deutlich erkennen, dass sie primär als Erinnerungsstücke dienten, im Sinne einer Art Tagebuch, wie er es selbst in dem zitierten Brief an die Mutter beschrieben hat. In demselben Sinne sind die einzelnen Identifikationshinweise zu deuten. Diese Eintragungen Mendelssohns sind im Faksimile-Teil jeweils auf der linken Kommentarseite zu Beginn in kursiver Schrift wiedergegeben, vollständig und in Mendelssohns Orthographie und Interpunktion. Die Zeichnungen Mendelssohns sind in sehr unterschiedlicher Weise ausgearbeitet. Einige sind nur in ihren Umrisslinien skizziert, wobei er sich gelegentlich auch in Worten oder Kürzeln Gedächtnisstützen für die weitere Ausarbeitung notiert hat, die dann aber unterblieb. Überliefert ist, dass er auf seiner Reise 1831 oft noch abends im Wirtshaus an seinen Zeichnungen weitergearbeitet hat; inwieweit er dies auch jetzt getan hat, ist nicht bekannt (zu vermuten ist: wohl eher nicht). Die Ansicht von Bonneville (8.8.) lässt erkennen, wie er nach Skizzierung des Häuser-„Rahmens“ sich gleich auf das Felsenmassiv konzentriert, das aber doch nicht beendet hat - offensichtlich war es der Berg, der sein besonderes Interesse erregt hatte. So vermitteln die Blätter gelegentlich den Eindruck des status nascendi. Auch die Zeichnungen, die auf den ersten Blick als beendet erscheinen, weisen in Randpartien nur eine skizzierte Ausführung auf, sie sind nicht bis zu Ende ausgearbeitet - wie es doch wohl Mendelssohns Ideal gewesen ist. Doch könnte dies - wie beispielsweise in dem Frankfurter Bild (20.7.) - ein absichtsvoll eingesetztes künstlerisches Mittel sein, um die Konzentration auf den Bildmittelpunkt zu bewirken. Bei Bergen in der Ferne könnten weiß gebliebene Flächen den Dunst wiedergeben, in dem die Gipfel nur als Silhouette erscheinen; andererseits lässt die Ansicht der Bachalp (22.8.) deutlich erkennen, wie Mendelssohn durch die Art der Detailzeichnung die unterschiedliche Entfernung der Berggruppen angedeutet hat, ohne dabei auf eine Ausarbeitung des Hintergrundes zu verzichten. Auch diese Technik könnte dadurch bedingt sein, dass Mendelssohn für die eigene Erinnerung möglichst viel von dem Gesehenen festhalten wollte, wobei die realitätsgetreue Wiedergabe im Sinne einer Vedute ihm nicht so wichtig war. Einige Bilder aus diesem „Schweizer Skizzenbuch“ gehören zu seinen schönsten Zeichnungen.

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