Erweiterte
Suche ›

Gedichte - Wilhelm Reichert

Mit einer biografischen Skizze

jürgensendesign,
Taschenbuch
6,00 € Preisreferenz Lieferbar in 2-3 Tagen

Kurzbeschreibung

Diese Heft ist wie ein Vermächtnis von einem Menschen, der mit 18 Jahren als Soldat in die Gefangenschaft für 4 Jahre geführt wurde. Dort findet er seinen Beruf, fern der Heimat, durch Not und Entbehrung, im Angesicht des Todes. Durch die Ausübung des selbstgewählten Handwerkes öffnet sich ihm der Weg zur Kunst.
Um das 42.Jahr wird er wieder vier Jahre aus seinem neu geschaffenen Umfeld herausgerissen, diesmal durch Krankheit. Er wird zum Erforscher der Welkt der Bildekräfte im Angesicht des Todes. Und er schreibt seine ersten Gedichte, die hier versammelt sind.

Details
Schlagworte
Autor

Titel: Gedichte - Wilhelm Reichert
Autoren/Herausgeber: Wilhelm Reichert, Andrea Hitsch (Hrsg.)
Ausgabe: 2. Bearbeitet

ISBN/EAN: 9783939240358

Seitenzahl: 66
Format: 21 x 14,8 cm
Produktform: Geheftet
Gewicht: 100 g
Sprache: Deutsch

Der Lebensweg 1926-1982
In einem kleinen Pfälzer Dorf verbrachte Wilhelm Reichert seine Kindheit; als Kind armer Eltern wuchs er auf. Wiesen und Felder in ihrem Duft und ihrer Farbenpracht lagen in der Nähe des heimatlichen Dorfes. Dort saß er dann, oft in Begleitung seiner jüngeren Schwester, und schaute die Welt durch ein rotbraun oder grün gefärbtes Glas an. Es waren Stücke von Flaschen, die die Kinder fanden, und es wurde ihnen zum vielgeliebten Spiel, die Felder, Blumen, Wolken und lieblichen Hügel durch ein solches Stück Glas zu betrachten.Wie anders sah die Welt da aus - in Rot getaucht, wie anders dann, wenn die grüne Scherbe vor das Auge gehalten wurde. Die Kinder tauschten die Gläser, schauten, betrachteten, riefen und jauchzten oder blickten still. “Wir träumten damals jeden Käfer, jeden Busch, jede Blume, jeden Schwalbentod - ach, was waren da Weltschmerzen auszustehen, arme, endlose, neblige, hungrige Herbsttage auf trübem Goldgrund gemalt. Die beladenen Fuhrwerke, die vom Feld kamen, rollten durch die Dunkelheit mit Getöse, und der Fuhrmann trug eine Laterne mit goldgelbem Licht durch die frühe Nacht, das alles nur spärlich beleuchtete. Die Schatten der Räder und Speichen drehten sich über Wiesen oder über die Giebel und Mauern der Häuser, und die Schatten der Pferde waren größer als das Schulhaus. An solchen Herbsttagen mußte ich bei den Nachbarn Rüben abladen; vom Wagen, der dach Ackererde roch, in den Keller - vielleicht war ich damals acht oder neun Jahre alt. Der Keller hatte eine ganz gering brennende Lampe, die meinen Schatten bald groß, bald klein über die Rübentiere warf. Einige Jahre später fingen wir die warzenübersäten Viecher in allen uns bekannten Kellern, um sie bei unserem Lehrer gegen Buntpapier einzutauschen.” (Aus einem Tagebuch.)Etwas von einem solchen Buntpapier zum Zeichnen zu besitzen, war eine Kostbarkeit für ihn. Jedes Stückchen Papier, das er fand, und wenn es ein Stück einer Papiertüte war, wurde bewahrt wie ein Kleinod und mit Bleistiftzeichnungen gefüllt. Ein besonders beliebtes Spiel war das folgende: Hatte er als kleiner Knabe die Möglichkeit, sich vom Hause zu entfernen, so lebte sehr oft der Wunsch, “in den Wiesen schweben” zu gehen. Er legte sich auf den Rücken ins Gras, und sein Blick wandte sich ganz dem großen Blau des Himmelszeltes zu; die Aufgabe bzw. Mutprobe bestand darin: Wie lange konnte man so ausgestreckt auf dem Grün der Wiese liegen, hingegeben an das blaue Gewölbe, ohne vom Gefühl überwältigt zu werden, vom Himmelsrund mächtig angesogen, in dieses hineinzufallen; immer wieder musste man sich mit den Händen links und rechts an den Grasbüscheln festhalten, um nicht zu mächtig vom Blau angezogen zu werden. Mußten Lindenblüten gesammelt werden, so vergaß er oft über dem betäubenden Duft das Pflücken. Der Duft schon - und er hielt der Schwester ein Sträußchen Lindenblüten vors Gesicht, und sie musste die Augen schließen - der Duft schon ist gelb, er riecht nach Gelb!Mit zwölf Jahren malte Wilhelm Reichert sein erstes Bild, das Christkind mit der Lilie und einer Taube auf der Schulter. Dieses allererste Heraussetzen eines Motives, das ihn im Inneren bewegte, das Motiv des Jesuskindes, des Christkindes, des “Weltbewegers”, wie er ihn in späteren Jahren nannte, durchzog sein ganzes Leben und wurde ihm zum Leitstern. Seine letzten vier großen Aquarelle, gemalt wenige Tage, Stunden vor seinem Tode (1982), zeigen das Christus-Motiv in verwandelter Form. Ein Bogen spannt sich, eine leise Spur wird ahnbar. Dieser Bogen wird als Anfang und Ende eines malerischen Weges spürbar. Ein solcher Bogen konnte sich nur auf dem Boden des Handwerkes emporwölben.Bis zu seinem vierzehnten Lebensjahr besuchte Wilhelm Reichert die Dorfschule, in liebevoll-strenger Weise geführt von einem besonderen Lehrer. Dieser war in tiefster Ehrfurcht an die Anthroposophie hingegegeben. Er behielt seinen Schüler im Auge und setzte sich für ihn ein, als es darum ging, ihm an der Meisterschule in der dreizehn Kilometer entfernten Stadt einen Platz zu verschaffen.Der Krieg kam, und erst nach seiner Rückkehr aus englischer Gefangenschaft konnte er die Schule beenden. Jetzt beginnt ein Weg, der ganz dem Handwerk gewidmet ist. Als Maler und Anstrei-cher baut Wilhelm Reichert sich eine Existenz auf. Neben rein handwerklichen Tätigkeiten, wie Wohnungen ausmalen, Tapezieren, Schilder schreiben, entstehen die ersten Sgraffiti, Freskomalereien auf Außenputz mit den verschiedenen Motiven. Hoch oben auf zusammengebundenen, an die Hauswand angelehnten Leitern stehend, arbeitet er mit Farben und Werkzeug. Möbel werden mit tanzenden Figuren versehen, Farbe und Form sicher auf das Holz gesetzt. Einige Tische, verschiedene Schränke wurden so von ihm “in Breugelscher Art”, wie er es nannte, verschönert.Ein malerischer Schaffensdrang erfüllte ihn, und die vielfältigsten Blumenbilder, Sonnenblumen, Kapuzinerkresse, Rittersporn entstanden in Ölfarben auf Leinwand. Viele Freunde in seinem Umfeld wurden damit beschenkt, und auch heute noch sind Bilder aus dieser reichen Epoche in Freiburg, Nürnberg, Wuppertal, Wien und in der Pfalz erhalten. Ja sogar ein Kleid für seine liebe Frau wurde bemalt.Soweit es seine Zeit erlaubte, ging er hinaus in die Natur, malte auf Leinwand mit Ölfarben Wiesen und Hohlwege, blühende Bäume oder Häusergruppen in ländlicher Umgebung. Die Natur in ihrer unterschiedlichen Farbenpracht, die Gebärden der sanft liegenden Felder, das Wogen der Wiesenblumen sog er ein in seine hingegebene Seele. Die Natur nahm den übenden Maler wie ein geheimnisvolle Lehrerin in ihre Schule auf. “Die einfache Nachahmung arbeitet also gleichsam im Vorhofe des Stils. Je treuer, sorgfältiger, reiner sie zu Werke gehet, je ruhiger sie das, was sie erblickt, empfindet, je gelassener sie es nachahmt, je mehr sie sich dabei zu denken gewöhnt, das heißt, je mehr sie das Ähnliche zu vergleichen, das Unähnliche voneinander abzusondern und einzelne Gegenstände unter allgemeine Begriffe zu ordnen lernet, desto würdiger wird sie sich machen, die Schwelle des Heiligtums selbst zu betreten.” J.W.Goethe: Nachahmung, Manier und Stil).Angeregt durch van Gogh, wurde der Pinselstrich auf ganz neue Weise gesetzt. Einmal, als er mit einer kleinen Feldstaffelei in den Wiesen saß, die Natur ihn ganz umgab, der Maler mit jeder Faser hingegeben arbeitete, blieb ein Spaziergänger bei ihm stehen - es war sein früherer Dorfschullehrer.
“Er tippte mir auf die Schulter und verwies mich auf Goethes Farbenlehre”, so erzählte Wilhelm Reichert. Dieses Ereignis öffnete ihm neue Tore. Ein intensives Studium begann.In diese Zeit fällt mein erstes Gespräch mit dem Vater über die Welt der Farben. Voller Begeisterung rief er mich in den kleinen Raum, in dem die Farben und Pinsel zum Verkauf in seinem kleinen Laden standen, holte einen Bogen weißes Papier, legte ihn auf den Boden - und beide knieten wir davor, während er folgendes Phänomen zeigte. Drei Farben gibt es auf der Welt, Königsfarben genannt - welch großer, erhabener Name! Mit diesen drei Farben, Gelb, Rot, Blau, kann man alle Fraben der ganzen Welt gewinnen, ja, alle! Einen tiefen Eindruck machte diese Ausführung auf das damals erst sechs oder sieben Jahre alte Kind, und beflügelt, beseelt über diese Entdeckung, sah es in die freudigen Augen des Vaters.Durch das Studium von Goethes Farbenlehre, unter Leitung seines alten Lehrers,lernte Wilhelm Reichert die Anthroposophie kennen.“Suchst du das Höchste, das Größte,Die Pflanze kann es dich lehren.Was sie willenlos ist,Sei du es wollend, das ist’s.”Friedrich SchillerDie Pflanze lebt in einem mittleren Zustand, indem sie immer hineingestellt ist in ein Oben und Unten, zwischen Himmel und Erde, Ausdehnung und Zusammenziehung. Sie ist hingegeben an den Kosmos, an den Sonnenlauf, und sendet Wurzeln zum Mittelpunkt der Erde. In diesem Verhältnis wächst sie gleichsam “willenlos”, entfaltet ihre Blüte, ihre Samen. Sie verwelkt, um wieder zu einem neuen Lebensgang aufzubrechen. Dies ist ein passendes Bild für den Künstler, der ein Vermittler ist. Ere steht in einem Zwichenbereich: hingegeben an die Natur und ihre Bewegung im Jahreslauf, nd andererseits inneres Gegründetsein, Studium. Dieses im leichklang immer neu willentlich zu gestalten, ist sein Ziel.In der Lebensmitte angekommen, verändert Wilhelm Reichert seine äußere Umgebung. Er geht an das Lehrerseminar nach Stuttgart, verkauft sein selbstgebautes Haus, zieht nach Wuppertal und wird dort Mal- und Werklehrer an der Rudolf-Steiner-Schule. Unermüdliches Studium der Anthroposophie und Hingabe an die Erfordernisse des Lebens, der Schule, der Schüler, Kunstgeschichte, Malen, Plastizieren unterrichtend, wird Wilhelm Reicherts neue selbstgewählte Schicksalssituation.Folgende Worte Rudolf Steiners aus “Die Methodik des Lehrens und die Lebensbedingungen des Erziehens” schreibt er in sein Tagebuch:”Denn erziehen und unterrichten kann der Mensch ebenso nur dann, wenn er dasjenige, was er zu bilden hat, was er zu gestalten hat, versteht - wie der Maler nur malen kann, wenn er die Natur, das Wesen der Farbe kennt, der Bildhauer nur, wenn er das Wesen seines Stoffes kennt usw. Was für die übrigen Künste gilt, die mit äußeren Stoffen arbeiten, wie sollte es nicht gelten von derjenigen Kunst, die an dem edelsten Stoffe arbeitet, der überhaupt nur dem Menschen vorgelegt werden kann, an dem Menschenwesen, seinem Werden und seiner Entwicklung selbst? Damit ist aber im Grunde genommen schon hingewiesen darauf, dass alle Erziehung und aller Unterricht hervorquellen müssen aus wirklicher Erkenntnis des Menschenwesens.”

buchhandel.de - Newsletter
Möchten Sie sich für den Newsletter anmelden?


Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Lieber nicht