Erweiterte
Suche ›

Sorry, Nathan!

Wortblind und sinntaub: Die Beschädigung des Denkens durch die Sprache des Patriarchats - Analysen, Betrachtungen, Gegenwehr

Czernin,
Buch
18,60 € Lieferbar in 2-3 Tagen

Kurzbeschreibung

Wenn unsere Sprache nicht sagt, was Sache ist, wie soll unser Denken zu sachgerechten Befunden kommen? Wenn unser Denken nicht zu sachgerechten Befunden kommen kann, wie wollen wir funktionierende Pläne für die Zukunft machen?
Drei Strängen geht die Autorin in ihren Untersuchungen nach:
- wie Begriffe durch ihr Vorhandensein das Denken leiten, oft auch
einengen und unnötig beschränken
- wie falsche sprachliche Abbildungen der Wirklichkeit Verwirrung
stiften, die tendenziell eher hörig als mündig macht
- und wie die Gewöhnung, das Wort nicht wörtlich zu nehmen, bereit
macht, an Aussagen und bei Geschichten auch inhaltliche Fehler zu
übersehen.
Schrattenholzer lädt uns ein, genau hinzusehen und hinzuspüren.
Ausführlich angeboten wird das am Beispiel der Toleranz. Diese gilt als erstrebenswert. Aber wollen SIE von einem lieben Menschen gesagt bekommen: „Ich toleriere dich!“?
Was stimmt da nicht?
Was macht die Sprache mit uns? Was bringt sie unausgesprochen mit?
Welche Formen helfen zur Klarheit, welche verursachen Denknebel?
Da gibt es beispielsweise den generalisierenden Singular, der eine Denk-Einladung für Vorurteile ist: der Amerikaner hat., der Österreicher/Jude/Italiener tut.
Da gibt es auch die unlogischen Mehrzahlformen, bei denen die weiblichen Menschen in der Mehrzahl verschwinden, weil die männliche Bezeichnung plötzlich vom Teilbegriff zum Oberbegriff wird: ein Schüler und sieben Schülerinnen sind acht Schüler.
Werden solche Formen verwendet, so muss beim Denken von der Wirklichkeit abgesehen werden. Das ist vor allem politisch gefährlich. Wenn zwei Ausländerinnen und zwei Ausländer für das Denken vier Ausländer sein können, dann sind vier Ausländer unbesehen und unversehens leichter vier Feinde.
Wenn uns die Sprache tagtäglich trainiert nur partiell auf die Wirklichkeit zu schauen, so kann das bei größeren Zusammenhängen ebenfalls passieren. Auch die angeblich so bewundernswerte Toleranz eines Nathan, aus Lessings Theaterstück Nathan der Weise, die besonders seit der New Yorker Katastrophe von September 2001 immer wieder als Vorbild beschworen wird, erweist sich bei genauerer Untersuchung als unbrauchbare Zielvorstellung:
Sorry, Nathan!
Das Buch mündet in die Forderung: „Wenigstens im Wort: Anerkennung der Wirklichkeit“.
Im Anfang war das Wort? Welche Worte wählen SIE, damit SIE verantworten können, dass Ihre Worte vielleicht ein Anfang von neuer Wirklichkeit sind?

Details
Schlagworte
Autor

Titel: Sorry, Nathan!
Autoren/Herausgeber: Elisabeth Schrattenholzer
Ausgabe: 1., Aufl.

ISBN/EAN: 9783707600506

Seitenzahl: 168
Format: 21,5 x 11,5 cm
Produktform: Taschenbuch/Softcover
Sprache: Deutsch

Elisabeth Schrattenholzer, Dr. phil., beschäftigt sich literarisch, unterrichtend und forschend mit Sprache und Kommunikation. Mehrere Publikationen liegen vor. Sie lehrt an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien.

buchhandel.de - Newsletter
Möchten Sie sich für den Newsletter anmelden?


Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Lieber nicht