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Tumorprognosen häufiger Tumoren bei Haustieren – eine Literaturstudie

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Kurzbeschreibung

1. Ziel der hier vorgelegten Arbeit war es, einen Überblick über den heutigen Wissensstand quantitativer Prognosen häufiger maligner Tumorarten von Hund, Katze, Pferd, Rind und Schwein zu geben. Die Wirksamkeit verschiedener Therapiemethoden sollte dargelegt und die Aussagekraft von Prognoseindikatoren beleuchtet werden. Dabei wurde sowohl auf tumor-spezifische und tierartliche Unterschiede eingegangen als auch auf neue, vielversprechende Therapiemethoden hingewiesen. Die ausgewählten Tumorarten sind: Plattenepithelkarzinome, maligne Mammatumoren, maligne Melanome, Fibrosarkome, Osteo¬sarkome, hämato¬poe¬tische Neoplasien und Mastzelltumoren.
2. Die Literaturübersicht befasst sich mit dem Begriff der Prognose und erläutert die häufigs-ten quantitativ prognostischen Untersuchungskriterien. Im Weiteren werden die hiesigen Tu-morarten in Hinblick auf die quantitativen Prognosen der jeweiligen Tierarten beschrieben.
3. Dieser Literaturstudie liegen mehrere 10.000 Publikationen zugrunde, von denen 2613 zur näheren Ansicht selektiert wurden und 1285 zitiert werden. Zu keiner der hier beschriebenen Tumorarten wurde je eine Auswertung quantitativ prognostischer Daten dieser Größenord-nung durchgeführt. Die Literaturrecherche erfolgte in erster Linie in der Online-Datenbank PubMed und wurde am 01.04.2012 beendet. Retrospektive und prospektive Studien waren vorherrschend, Daten aus Übersichtsarbeiten, Tagungsberichten, Einzelfallbeschreibungen, Kommentaren sowie Inhalte einschlägiger veterinärmedizinischer Fachbücher wurden verein-zelt berücksichtigt. Das wichtigste Auswahlkriterium der ausgewerteten Publikationen war die Untersuchung und Darstellung quantitativ prognostischer Untersuchungskriterien wie z. B. Überlebenszeit, Rezidivrate, Todesrate sowie Prognoseindikatoren. Um die quantitativ prog-nostischen Daten zu gruppieren, wurden sie den quantitativ prognostischen Untersuchungskri-terien zugeordnet und in Abhängigkeit der angewandten Therapiemethoden in Form von Ta-bellen dargestellt. Zum Vergleich der jeweiligen Therapiemethoden wurde aus den zusam-mengehörigen quantitativ prognostischen Daten ein Gesamtmedian gebildet.
4. Da jede Studie einer anderen Versuchsanordnung unterliegt und die erhobenen Daten nicht einheitlich dargestellt werden (v.a. Zeitangabe bei Raten), ist ein Vergleich von Studien in mehrerlei Hinsicht problematisch. Um die Vergleichbarkeit der einzelnen Studien zu erhöhen, wäre es wünschenswert, eine einheitliche Erhebung und Grunddarstellung der quantitativ prognostischen Daten zu etablieren. Aus diesem Grund wurde in der hier vorgelegten Arbeit auf die wichtigsten Aspekte der unterschiedlichen Darstellung aufmerksam gemacht. Des Weiteren wurde ein Schema zur Darstellung quantitativ prognostischer Daten erarbeitet, wel-ches auf jede Tumorart anwendbar ist und hilfreich für eine detaillierte und transparente Dar-stellung der Ergebnisse zukünftiger Studien sein könnte.
5. In der hier vorgelegten Arbeit werden zum ersten Mal quantitativ prognostische Daten grö-ßerer Untersuchungsgruppen von Plattenepithelkarzinomen beim Hund, malignen Melanomen bei Katze und Pferd sowie hämatopoetischen Neoplasien beim Pferd genannt. Zu den übrigen Tumor- und Tierarten liegen ebenfalls zahlreiche erstmals zusammengefasste quantitativ prognostische Daten sowie quantitativ prognostische Daten auf dem neusten Stand vor.
6. In der tierärztlichen Praxis ist die alleinige chirurgische Resektion nach Tumordiagnose, außer bei inoperablen Tumoren und malignen Lymphomen, die gängigste Therapiemethode. Allerdings nicht, weil hiernach die besten Resultate erzielt werden, sondern weil viele Patien-tenbesitzer vor dem ungewissen Ausgang anderer Therapiemethoden bei malignen Tumoren sowie dem zusätzlichen Zeit- und Kostenaufwand zurückschrecken, nur wenige Kliniken spe-zifischere Therapiemethoden anbieten und häufig keine standardisierten Therapieprotokolle vorliegen.
7. Bei der Besprechung von Tumorprognosen sollte berücksichtigt werden, dass sich eine Tumortherapie nicht nur positiv auf den Gesundheitszustand des Patienten auswirken kann, sondern auch negativ in Form von unerwünschten Nebenwirkungen, progressivem Tumor-wachstum sowie geringfügigem oder ausbleibendem Therapieerfolg. Da es sich bei den Tu-morpatienten meist um ältere Tiere handelt, die teilweise bereits an anderen Grunderkrankun-gen wie Herz- oder Niereninsuffizienz leiden, stellt sich die Frage, ob die Durchführung einer Tumortherapie immer besser ist als ihre Unterlassung. Dies sollte am besten mit spezialisierten Tierärzten für jedes einzelne Tier und jede Tumorart gesondert geklärt werden.
8. Vor allem bei Plattenepithelkarzinomen eignen sich andere Therapiemethoden oft besser als die alleinige chirurgische Resektion (Orale Plattenepithelkarzinome Hund: palliative Strahlen- oder Chemotherapie, photodynamische Therapie; kutane Plattenepithelkarzinome Katze: Strahlentherapie, photodynamische Therapie; orale Plattenepithelkarzinome Katze: adjuvante Strahlentherapie, palliative Strahlentherapie in Kombination mit Hyperthermie oder Chemotherapie; kutane Plattenepithelkarzinome Rind: IL-2-Immuntherapie). Aufgrund der sehr guten Ergebnisse nach alleiniger Strahlentherapie würden sich bei Hunden mit oralen nicht-tonsillaren Plattenepithelkarzinomen Studien größerer Untersuchungsgruppen mit adjuvanter Strahlentherapie anbieten. Die Prognose von Hunden mit tonsillaren Plattenepithelkarzinomen konnte mit einer Kombination aus adjuvanter Strahlen- und Chemotherapie erheblich verbessert werden. Die Prognose von Hunden mit digitalen Plattenepithelkarzinomen fiel ähnlich gut oder noch besser aus als von Tieren mit oralen Plattenepithelkarzinomen, wenn die Amputation vor Metastasierung erfolgte. Möglicherweise besteht bei Hunden mit oralen Plattenepithelkarzinomen ein synergistischer Effekt zwischen COX-2-Hemmern und einer Chemotherapie. Eventuell trifft dies auch auf maligne Mammatumoren von Hund und Katze sowie auf maligne Melanome von Hund und Pferd zu.
9. Ein wichtiger Prognoseindikator für maligne Mammatumoren von Hund und Katze ist die Tumorgröße. Daher sollte die routinemäßige Palpation der Mammaleisten, vor allem bei älteren Hunden und Katzen, Standard sein. Ein wichtiger Prognoseindikator für maligne Mamma-tumoren der Hündin ist der histologische Tumortyp. Demnach würden sich für aussagekräfti-gere Ergebnisse Studien mit denselben histologischen Tumortypen anbieten. Ebenso bedeu-tend ist die Bildung von Rezidiven, Lymphknoten- und Fernmetastasen. Daher empfiehlt sich vor allem bei jüngeren Hunden mit klinisch und histologisch aussichtsreicher Prognose eine uni- oder bilateraler Mastektomie. Ob eine zusätzliche Ovariohysterektomie die Prognose verbessert, ist zweifelhaft. Allerdings verbesserte sich die Prognose von Hunden mit malignen Mammatumoren II. und III. Tumorgrades signifikant mittels perioperativer Behandlung mit Desmopressin. Bei Hunden mit nicht metastasierten inflammatorischen malignen Mammatu-moren kann eine Therapie mit Piroxicam versucht werden. Ist die Haut nur geringfügig invol-viert und liegen physiologische Gerinnungswerte vor, ist sogar eine chirurgische Resektion sinnvoll. Bei Hündinnen mit hormonabhängigen malignen Mammatumoren bewährten sich Injektionen von Goserelin. Ob sich Goserelin-Injektionen auch als adjuvante Therapiemethode eignen, ist nicht bekannt.
Die Ergebnisse der hier vorgelegten Arbeit bestätigen, dass die Prognose bei Katzen mit ma-lignen Mammatumoren nach alleiniger chirurgischer Resektion und adjuvanter Chemotherapie schlechter ausfällt als beim Hund. Maligne Mammatumoren von Katern verhalten sich nach chirurgischer Resektion ähnlich wie diejenigen weiblicher Tiere.
10. Obwohl maligne Melanome häufig als strahlen- oder chemoresistent beschrieben wurden, konnten sich die Ergebnisse beim Hund nach palliativer Strahlen- und Chemotherapie teilweise von denjenigen nach chirurgischer Resektion absetzen. Noch besser fielen die Er-gebnisse einzelner Studien nach adjuvanter Strahlen- oder (Gen-)Immuntherapie aus. Äußerst vielversprechend waren die Ergebnisse nach palliativer und adjuvanter Behandlung mit Tyro-sinase-DNA-Vakzine. Dabei beeinflusste eine frühestmögliche Impfung nach Diagnosestel-lung die Prognose positiv. In den USA wurde Anfang 2010 ein Impfstoff (Oncept®) zur Be-handlung kutaner maligner Melanome beim Hund zugelassen, der auf diesem Therapieverfah-ren beruht. Gute Ergebnisse wurden bei Hunden und Pferden mit inoperablen oder inkomplett resezierten malignen Melanomen mit intratumoraler oder intraläsionaler Cisplatin-Chemotherapie erzielt. Die Prognose bei Hunden mit okulären malignen Melanomen fällt, im Vergleich zur Prognose von Melanomen in anderen Lokalisationen, nach chirurgischer Resek-tion am besten oder nahezu am besten aus. Zum Nachweis des Malignitätsgrades eignet sich vor allem der mitotische Index (≥ 4). Entgegen der gängigen Lehrmeinung, dass orale Mela-nome praktisch immer als maligne eingestuft werden sollten, wiesen Hunde mit histologisch gut differenzierten oralen Melanomen mit Abstand die beste Prognose auf (3-4mal längere Überlebens- und krankheitsfreie Zeiten als andere orale Melanome nach chirurgischer Resek-tion). Dies spricht einerseits für die routinemäßige Durchführung einer Tumorbiopsie vor Therapiebeginn, andererseits für die bereits von mehreren Autoren geforderte Neugraduierung oraler Melanome.
11. Für Hunde mit inoperablen Fibrosarkomen oder oralen Tumoren, bei denen eine partielle oder totale Mandibulektomie oder Maxillektomie aus kosmetischen Gründen abgelehnt wur-de, bewährte sich eine Strahlentherapie, deren Ergebnisse mit denjenigen nach chirurgischer Resektion vergleichbar waren. Sehr gute Ergebnisse wurden in einer Untersuchungsgruppe aus Hunden mit Fibrosarkomen unterschiedlicher Lokalisationen nach adjuvanter Strahlentherapie erzielt. Aufgrund der außergewöhnlichen Therapieresistenz Vakzinationsstellen-assozi¬ierter Fibrosarkome der Katze spielt zum heutigen Zeitpunkt die Prävention durch ein optimiertes Impfmanagement, die Früherkennung und eine radikale erste chirurgische Resektion mit freien Tumorrändern prognostisch die größte Rolle. Zur sicheren Abklärung freier Tumorränder bewährte sich während des chirurgischen Eingriffes der Einsatz der 3D-Histologie. Weitere Studien sollten sich mit der Optimierung einer Kombination aus palliativer oder adjuvanter Strahlen- und Chemotherapie befassen.
12. Die Gesamtmedianwerte zahlreicher quantitativ prognostischer Untersuchungskriterien von Hunden mit appendikularen Osteosarkomen verbesserten sich nach adjuvanter Chemo-therapie im Vergleich zur alleinigen chirurgischen Resektion um das 2- bis fast 5-fache. Dabei ist sogar ein prognostischer Vorteil hinsichtlich der gliedmaßenerhaltenden Therapie ersicht-lich. Für Letztere eignen sich vor allem Osteosarkome der distalen Gliedmaßenbereiche an Radius, Ulna und Tibia, wenn < 50 % des Knochens befallen sind und das umliegende Weich-teilgewebe gar nicht oder nur geringfügig betroffen ist. Der Therapieerfolg hängt jedoch maß-geblich von den chirurgischen Fähigkeiten des Operateurs und der Compliance des Patienten-besitzers ab. Für Osteosarkome von Humerus oder Femur könnte sich die Durchführung einer intraoperativen Strahlentherapie des tumorösen Knochens nach Liptak und Kollegen (2004a) eignen. Die Überlebens- und krankheitsfreie Zeit von Hunden mit inoperablen Osteosarkomen kann mittels palliativer Strahlentherapie im Vergleich zur alleinigen chirurgischen Resektion um etwa 3-7 Monate verlängert werden (im Gesamtmedian 1 Monat). Dabei trat bei 74-100 % der Tiere eine Verbesserung der Lebensqualität auf. Bisphosphonate führten bei 28 % der Tiere zu einer Schmerzreduktion, die im Median 231 Tage andauerte. Die mediane krankheitsfreie Zeit von Hunden mit axialen Osteosarkomen der Rippen verbesserte sich nach adjuvanter Chemotherapie im Vergleich zur alleinigen chirurgischen Resektion nahezu um das 4fache. Aufgrund einer deutlich geringeren Metastasierungsrate fällt die Prognose bei Katzen mit appendikularen, axialen und extraskelettalen Osteosarkomen nach alleiniger chirurgischer Resektion besser aus als beim Hund. Die Ergebnisse nach alleiniger Amputation der Glied-maße reichen entweder an die Gesamtmedianwerte nach adjuvanter Chemotherapie beim Hund heran oder fallen deutlich besser aus. Zudem scheinen auch feline Osteosarkome gut auf eine Chemotherapie anzusprechen.
13. Die Ergebnisse von Hunden und Katzen mit chronischer lymphatischer Leukämie lagen im oberen Bereich der quantitativ prognostischen Daten von Tieren mit malignen Lymphomen. Dabei sprechen Katzen besser auf eine Chemotherapie mit Chlorambucil und Prednisolon an als Hunde. Die Prognose bei Hunden mit malignen Lymphomen scheint nach Kombi-nationschemotherapie aus CHOP ausgereizt zu sein. Eine Erhaltungstherapie erbrachte in der Mehrzahl der ausgewerteten Studien keinen prognostischen Vorteil. Bessere Daten wurden in Verbindung mit L-Asparaginase erzielt. Gute Ergebnisse nach Monotherapie mit GS-9219 sprechen ebenfalls für einen kombinierten Einsatz. Um das 2- bis 3-fache verbesserten sich die Ergebnisse nach Kombination aus Chemo- und Strahlentherapie. Am effektivsten war dabei eine CHOP-Chemotherapie im Wechsel mit einer Strahlentherapie. Möglicherweise könnte auch eine auf den histologischen Tumortyp oder Immunphänotyp abgestimmte Chemotherapie die Prognose positiv beeinflussen. Vor Chemotherapie sollte kein Prednison verabreicht werden, da hierdurch das Risiko einer Resistenzbildung steigt. Für Katzen wurde kein diesbe-züglicher Zusammenhang nachgewiesen. Wird eine Chemotherapie abgelehnt, kann das All-gemeinbefinden der Hunde mit einer palliativen Prednisontherapie für etwa zwei Monate sta-bilisiert werden. Die quantitativ prognostischen Daten nach zweiter Chemotherapie fielen an die 100-200 Tage kürzer und an die 20% schlechter aus als nach Ersttherapie. Dennoch spre-chen mehr als 50 % der Hunde bis zu drei Monate auf eine Zweittherapie an. Die meisten quantitativ prognostischen Daten bei Katzen mit malignen Lymphomen fallen nach Chemo-therapie schlechter aus als beim Hund. Ob eine zweite Chemotherapie empfehlenswert ist, bleibt unklar. Am besten fällt die Prognose nach Kombinationschemotherapie von Katzen mit Lymphomen niedrigen Malignitätsgrades oder weniger aggressiven kleinzelligen gastrointes-tinalen malignen Lymphomen aus. Die Ergebnisse von Katzen mit nasalen, gastrointestinalen oder multizentrischen malignen Lymphomen fielen nach Kombination aus Chemo- und Strah-lentherapie wesentlich besser aus als die entsprechenden Gesamtmedianwerte nach alleiniger Chemotherapie. Ebenfalls sehr gute Ergebnisse wurden bei Katzen mit rezidivierten oder re-sistenten gastrointestinalen malignen Lymphomen nach Strahlentherapie des Abdomens er-zielt.
14. Die besten Resultate für Hunde mit viszeralen Mastzelltumoren wurden mit einer Thera-pie aus Imatinib und Prednison erzielt. Für die meisten Hunde mit kutanen Mastzelltumoren I. und II. Tumorgrades reicht eine chirurgische Resektion zur Heilung aus (Gesamtmedian 1- und 2-jährige DFIRs: 72 %, 70,5 %). Bei Hunden mit kutanen Mastzelltumoren II. und III. Grades fielen die medianen und durchschnittlichen Überlebens- und krankheitsfreien Zeiten nach adjuvanter Strahlentherapie, selbst nach inkompletter Tumorresektion, meist länger aus als die entsprechenden Gesamtmedianwerte nach alleiniger chirurgischer Resektion. Mehrfach wurden Überlebens- und krankheitsfreie Zeiten > 1000 Tage erzielt. Für Hunde mit kutanen Mastzelltumoren III. Grades empfiehlt sich eine palliative Kombinationschemotherapie aus Vinblastin, Vincristin, Cyclophosphamid, Chlorambucil, Lomustin und/oder Prednisolon. Bei Hunden mit inkomplett resezierten kutanen Mastzelltumoren wurden vielversprechende Ergebnisse nach Elektrochemotherapie aus Cisplatin oder Bleomycin erzielt. Für Hunde mit inoperablen Mastzelltumoren der Gliedmaßen bewährte sich auch eine palliative Strahlenthe-rapie mit Prednisolon. Ob sich die Prognose mit einer Kombination aus adjuvanter Strahlen- und Chemotherapie verbessern lässt, ist bis heute ungeklärt. Wird eine palliative Chemo- oder Strahlentherapie abgelehnt, könnte eine Glukokortikoid-Therapie versucht werden, die jedoch vorwiegend nur zu einer partiellen Remission führt. Positiv wirkte sich auch eine palliative Behandlung mit Tyrosinkinase-Inhibitoren aus. Ein Rückfall nach den gängigsten Therapie-methoden führt zum baldigen Tod der meisten Hunde. Dies spricht für die umstrittene präope-rative Tumorbiopsie. So kann der chirurgische Eingriff entsprechend dem histologischen Tu-morgrad so gering wie möglich erfolgen und die aussichtsreichste adjuvante Therapiemethode eingeleitet werden. Da sich kutane Mastzelltumoren der Katze wahrscheinlich benigne verhal-ten, ist die alleinige chirurgische Resektion zur Heilung meist ausreichend. Bei inoperablen Tumoren bewährte sich eine palliative Strahlentherapie mittels Strontium-90.
15. Ein Vergleich der ermittelten Gesamtmedianwerte von Hund und Katze zeigt, dass einige Tiere trotz Rezidiv nach chirurgischer Resektion, teilweise nach adjuvanter Chemotherapie oder nach weiteren Therapiemethoden nicht gleich darauf euthanasiert werden, sondern noch einige Monate, bei einigen Tumorarten sogar bis zu einem Jahr, am Leben bleiben (Hund: ma-ligne Mammatumoren, malignes Melanom, malignes Lymphom, Osteosarkom; Katze: Plattenepithelkarzinom, Fibrosarkom). Im Gegensatz hierzu werden Hunde mit Mastzelltumoren oder malignen Lymphomen nach Zweittherapie sowie Katzen mit malignen Mammatumoren oder malignen Lymphomen direkt nach einem Rückfall euthanasiert oder sterben kurz darauf krankheitsbedingt.
16. Über Prognoseindikatoren von Plattenepithelkarzinomen und malignen Melanomen ist bis heute kaum etwas bekannt. In der hier vorgelegten Arbeit spielen für Plattenepithelkarzi-nome der verschiedenen Tierarten vor allem Tumorlokalisation, Tumorgröße und Art der Re-mission eine entscheidende prognostische Rolle; bei malignen Melanomen sind dies Tumor-lokalisation, Proliferationsindex, Bildung von Metastasen, Art der Remission und mitotischer Index. Während histologischer Tumorgrad, klinisches Tumorstadium, Tumorgröße und histo-logischer Tumortyp schon früher als bedeutende Prognoseindikatoren maligner Mammatumo-ren des Hundes genannt wurden, spielen in der hier vorgelegten Arbeit auch die Bildung von Tumornekrosen und Tumorulzerationen sowie die Bildung von Rezidiven, Lymphknoten- und Fernmetastasen eine prognostische Rolle. Fast identische Prognoseindikatoren gelten für ma-ligne Mammatumoren der Katze. Bedeutende Prognoseindikatoren für Fibrosarkome beim Hund sind der mitotische Index und bei der Katze die Bildung von Rezidiven und Metastasen sowie eine inkomplette Tumorresektion. Sichere Prognoseindikatoren für appendikulare Osteosarkome beim Hund stellen in der hier vorgelegten Arbeit die Diagnose von Lymphknoten- und Fernmetastasen, inkomplette Tumorresektion, adjuvante Chemotherapie sowie ausgedehnte Tumornekroseareale dar. Überraschenderweise fielen mediane Überlebenszeit und krankheitsfreie Zeit von Hunden mit Infektionen und Konstruktionsfehlern nach gliedmaßenerhaltender Therapie doppelt so lang aus wie von nichtbetroffenen Hunden. Für maligne Lymphome beim Hund erwiesen sich Art der Remission, Immunphänotyp und klinisches Substadium als prognostisch aussagekräftig. Entgegen der gängigen Lehrmeinung spielte das klinische Tumorstadium keine prognostische Rolle. Ändern könnte sich dies durch Anwendung eines einheitlichen Klassifizierungsschemas. Ein neuer vielversprechender Prognoseindikator ist die minimale Resterkrankung, deren Anstieg auf eine bevorstehende Rezidivierung hinweist. Für maligne Lymphome der Katze erwies sich nur die Art der Remission als prognostisch relevant. Da FeLV-negative maligne Lymphome inzwischen vorherrschend sind, hat der FeLV-Status seine Bedeutung als Prognoseindikator in den letzten 15 Jahren nahezu verloren. Eindeutige Prognoseindikatoren für Mastzelltumoren beim Hund sind Lymphknoten- und Fernmetastasen zu Therapiebeginn, Art der Remission und histologischer Tumorgrad. Letzterer kann sogar als gesicherter Prognosefaktor bezeichnet werden. Um die Prognose von Hunden mit Mastzelltumoren II. Grades eindeutiger vorherzusagen, könnte sich eine Kombination aus histologischem Tumorgrad und weiteren Prognoseindikatoren wie mitotischem Index, AgNOR- und Ki-67-Wert oder c-Kit-Mutationen eignen. Eventuell ist auch die Umstellung von einem dreistufigen auf ein zweistufiges Klassifizierungsschema für eine sichere Progno-sestellung sinnvoll. Entgegen der gängigen Lehrmeinung spielten Anzahl der Tumoren, Tu-morlokalisation und inkomplette Tumorresektion in der Mehrzahl der ausgewerteten Studien keine negativ prognostische Rolle. Dies spricht für die Forderung, die Einteilung multipler Mastzelltumoren ins III. klinische Tumorstadium neu zu überdenken. Des Weiteren zeigt es den Nachholbedarf an Studien auf, in denen die Prognose gezielt für Hunde mit Mastzelltu-moren bestimmter Lokalisationen untersucht wird und verdeutlicht die Problematik, neoplas-tische von natürlichen Mastzellen abzugrenzen. Mehrere Studienergebnisse belegen, dass ein lateraler Sicherheitsabstand von 2 cm und ein tiefer Rand inklusive der nächsten Faszie bei den meisten Mastzelltumoren I. und II. Grades für eine totale Tumorresektion ausreicht. Dies spricht für eine präoperative Tumorbiopsie, um den chirurgischen Eingriff entsprechend dem histologischen Tumorgrad so gering wie möglich zu halten und die beste adjuvante Therapie-methode einleiten zu können. Wie schon zuvor beschrieben, kommt dem mitotischen Index bei Mastzelltumoren der Katze auch in der hier vorgelegten Arbeit die größte prognostische Bedeutung zu.
17. Der Vergleich quantitativ prognostischer Aussagen anderer Autoren mit den Ergebnissen der hier vorgelegten Arbeit bewährte sich nur eingeschränkt. In zahlreichen Fällen weichen die Aussagen erheblich voneinander ab. Besonders betroffen sind Vakzinationsstellen-assoziierte Fibrosarkome der Katze. Aufgrund unterschiedlicher Definitionen von Rezidiv- und Metastasierungsraten kaniner Mastzelltumoren ist ein Vergleich nahezu unmöglich. Eine rasche Einigung wäre wünschenswert. Innerhalb der letzten 20-30 Jahre verbesserten sich Metastasierungs-, Überlebens- und Todesrate von Hunden mit malignen Mammatumoren nach chirurgischer Resektion deutlich (MR ohne Zeitangabe: 83 %; 2-jährige SR: 50 % und die 1-jährigen Überlebensraten liegen bei ≤ 21 %. Die Remissi-onsraten und totalen Remissionen von Hunden mit malignen Lymphomen betragen nach Kombinationschemotherapie > 50 %.

Details
Schlagworte

Titel: Tumorprognosen häufiger Tumoren bei Haustieren – eine Literaturstudie
Autoren/Herausgeber: Katrin-Maraike Köhler
Aus der Reihe: Edition Scientifique

ISBN/EAN: 9783835963788

Seitenzahl: 468
Format: 21 x 14,6 cm
Produktform: Buch
Gewicht: 579 g
Sprache: Deutsch

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